Die Wahrheit - die keiner hören wollte

Nina Müller einsam am See

Das Ding mit dem Bauchgefühl

Ich war klein, als ich zum ersten Mal gespürt habe, dass etwas nicht stimmt.
Nicht laut. Nicht dramatisch. Einfach dieses Gefühl im Bauch:

Das hier ist nicht normal. Das sollte so nicht sein.

Aber jedes Mal, wenn ich etwas gesagt habe, kam die Antwort:

Du verstehst das nicht. Du bist zu klein. Das macht man so.

Also habe ich aufgehört zu sagen, was ich spüre. Nicht, weil mein Gefühl falsch war. Sondern weil ich gelernt habe, dass es egal ist. Das ist der Moment, in dem ein Glaubenssatz entsteht.
Nicht als bewusste Entscheidung. Sondern als stille Schlussfolgerung, die ein Kind zieht, wenn seine Wahrnehmung oft genug abgesprochen wird:

Ich kann mir selbst nicht trauen. Mein Gefühl zählt nicht. Wer bin ich, dass ich recht haben sollte?

Und das Tückische an Glaubenssätzen: Sie verschwinden nicht einfach, wenn die Situation, die sie ausgelöst hat, vorbei ist. Sie wandern mit… in Beziehungen...in Entscheidungen... in den Moment, in dem du kurz davor bist, etwas Wichtiges zu sagen und es dann doch schluckst.

Jahre später schaue ich zurück. Und ich sehe: Ich hatte recht. Damals schon.

Die Menschen, die mir sagten, ich würde es nicht verstehen – sie leben heute noch genauso wie damals! Dieselben Muster. Dieselben Ausreden. Dieselben Gespräche, die nirgendwo hinführen. Nicht, weil sie böse sind. Sondern, weil sie nicht hinschauen wollen.

Und ich? Ich habe hingeschaut und verarbeitet. Auch dort, wo es weh getan hat.

Was ich heute weiß – und was vielleicht auch für dich gilt:

Wenn du dein ganzes Leben gehört hast, dass dein Gefühl falsch ist, fängst du irgendwann an, es selbst zu glauben. Du redest deine eigene Wahrnehmung klein, bevor es jemand anderes tut. Du fragst dreimal nach, ob du wirklich recht hast. Du entschuldigst dich für Dinge, die keine Entschuldigung brauchen… und du traust dir selbst nicht.

Das ist kein Charakterfehler. Das ist ein erlerntes Schutzmuster.

Und erlerntes kann verlernt werden.
Der erste Schritt ist nicht, plötzlich allem zu vertrauen, was du fühlst.

Der erste Schritt ist, aufzuhören, es automatisch zu verwerfen.

Dein Gefühl war nicht falsch. Dieses Bauchgefühl.
Es war nur
unbequem für ein Umfeld, das selbst nicht hinschauen konnte.

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Der Konjunktiv ist die höfliche Form von Stillstand.

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